Bern – Einmal der Nase nach


Der Geruchsinn gilt als «Fenster zum Gehirn.» Gerüche besitzen die Macht, Raum und Realität kurzzeitig auszusetzen. Von einem Moment zum Nächsten können sie uns auf eine Zeitreise in die Vergangenheit entführen und einst Erlebtes wieder in Erinnerung rufen. Deswegen denke ich heute auch immer sofort an Bern, wenn mir diese spezielle Mischung aus Feentanz, Lavendel und Zitrone in die Nase steigt. Schliesslich durfte ich dort aus eben diesen Gerüchen der Stadt mein erstes eigenes Parfüm mischen.


Wenn jemand eine Stadt im Zuge einer Stadtführung entdeckt, geschieht dieses zumeist und vor allem mit den Augen und Ohren. Nicht so in Bern. Dort führt ein etwa einstündiger Rundgang im wahrsten Sinne der Nase nach durch die geschichtsträchtige Altstadt. Hierbei beginnt und endet die Tour im Parfüm-Atelier «art of scent» von Brigitte Witschi.

Eine Frage der Nase 

Wenn Brigitte aus der Welt der Düfte zu erzählen beginnt, könnte man eine Stecknadel fallen hören. So unerschöpflich ist das Wissen der Parfümeurin; so packend ihre Leidenschaft, sodass wir alle gebannt ihren Ausführungen lauschen. «Düfte sind etwas sehr Magisches», verrät sie. «Ihnen kann sich niemand entziehen.

Es ist ein Thema, das die Menschen schon seit jeher faszinierte. Mit der Sesshaftigkeit erlernten diese die Kunst des Räucherns und entdeckten dabei die Welt der Düfte, durch die sie – eben «per fumare» – mit den Göttern in Verbindung treten zu können glaubten. Davon zeugt bis heute die Assoziation von Spezialdüften wie die des Weihrauches mit religiösen Riten, die uns Stadtführerin Ursula Arregger im Anschluss an Brigittes Einführung als ersten Geruch Berns präsentiert.

Ursulas Führung lässt die Geschichte von Bern auf einzigartige Weise lebendig werden und schärft mit jeder Station mittels Dufttüten unsere Wahrneh-mungen. So identifizieren wir in den historischen Kellergewölben Berns den Geruch von Sandstein und schnuppern im Traditionsquar-tier Matte Lakritze, Schokolade und Aleppo-Seife. Überall weiss Ursula die Gerüche mit Geschichten und Anekdoten zu untermalen, die Bern auf ungeahnte Weise Leben einzuhauchen scheinen.

Wir fühlen uns unvermittelt zurückversetzt in eine Zeit, als sich am Fusse der Aare eine Lindt-Fabrik befand und Männer abends Schokoladestückchen aus dem Wasser fischten. Auch liegt plötzlich der Duft der ersten Badeanstalten in der Luft, die hier am Fluss errichtet wurden. Es riecht nach Lavendel und Kräutern und erinnert uns irgendwie auch an unsere eigene Kindheit. Mit einem Mal erwacht die Welt zu einem Kaleidoskop von Gerüchen, die überall an uns zu haften scheinen.

Erinnerung an die Stadt 

Nach unserem ausgedehnten Streifzug mit Ursula kehren wir – umhüllt von einer Duftwolke – wieder zu Brigitte zurück. In ihrem Atelier beenden wir nun unsere aussergewöhnliche Entdeckungsreise mit einem nicht minder aussergewöhnlichen Erlebnis: Aus vier Grundnoten und den zehn eben erlebten typischen Bern-Düften dürfen wir unser eigenes Bern-Parfüm kreieren.

Mit Pipetten, Duftstreifen und Glasbechern ausgerüstet, machen wir uns an die Arbeit; beinahe so, wie Chemiker im Chemielabor. Mich spricht die Frische des Grundduftes «Feentanz» besonders an und ich beginne ihn, mit meinen ‘Lieblings- Berner-Düften’ zu verfeinern. Drei Tropfen ‘Bad’, ein Tropfen ‘Wäsche’ und zu guter Letzt ein Tropfen Brigittes Eigenmischung ‘Royal’ und schon ist die Mixtur fertig. Ein Verkaufsschlager wird es wohl nicht werden, doch wird mich dieser Duft sicherlich für alle Zeiten an Bern erinnern. Ein Souvenir der ganz besonderen Art!

 

SPOT INSIDER-TIPPS: Weitere Düfte von Bern 

1

KÄSE: Chäsbueb Bern 

Wer in Bern Käse sucht, muss nur der Nase nach! Seit ungefähr 40 Jahren steht das Traditionsgeschäft Chäsbueb beim Zytglogge für einzigartige Käsekultur und bietet Käsespezialitäten aus der Schweiz und ganz Europa an. www.chaesbueb.ch 

2

BIER: Biercafe Au Trappiste 

Grosse Biere in familiärer Atmosphäre – das ist das Geheimrezept der Bier-Pilgerstätte in der Berner Altstadt, welche besonders für das enorme Angebot an Bieren aus Mikrobrauereien bekannt ist. www.autrappiste.ch 

3

GOÛT VON BERN: Lötschberg Restaurant 

Das ungewöhnliche Chalet Suisse bricht mit allen Klischees. Hier wird Kulturgeschichte, Tradition und Bodenständigkeit mit Zeitgeist, Boheme und Leichtigkeit verbunden. www.loetschberg-aoc.ch 

4

WEIN: Klösterli Weincafe 

Eine vielfältige und hochqualitative Auswahl an Weinen im Offen-Ausschank in Bern – dafür ist das Klösterli stadtbekannt und bietet zusätzlich ein gediegenes Ambiente. www.kloesterlibern.ch 

5

KAFFEE: Adrianos – Bar & Café 

Den besten Kaffee der Stadt soll Adrianos schon seit über 15 Jahren servieren. Der Kaffee wird selbst geröstet und abends in der Apéro- und späteren Cocktailbar unter anderem das eigene Bier serviert. www.adrianos.ch

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Spotlight

Daten: 19. März 2016 (ausgebucht), 25. Juni 2016, 29. Oktober 2016 

Beginn der Führung: jeweils um 14.00 Uhr 

Treffpunkt: Parfümatelier «art of scent», Rathausgasse 49 

Dauer: 2 Stunden 

Preis: Erwachsene CHF 60 

Sprache: Deutsch 

Reservation erforderlich 

Die Führung ist jederzeit für private Gruppen (max. 10 Personen) buchbar. 

Kontakt

Reservation/Buchung:

+41 (0)31 328 12 12

citytours@bern.com

www.bern.com

Text: Carina Scheuringer
Fotos: Carina Scheuringer






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