Auf den Spuren Schweizer Legenden – Langlauf & Biathlon


Lange haderte der Langlauf mit seinem verstaubten Image als Altherren-Sport. Nun ist das anders: Spätestens mit Dario Cologna hat das Loipenfieber die Schweiz erfasst. Die Gründe dafür sind vielfältig – Langlauf ist nicht nur eine günstige und sicherere Alternative zu Ski und Snowboard, sondern auch eine besonders gesunde. Der Ausdauersport aktiviert Muskeln, schont Gelenke und steigert die Kondition. Kurzum; Langlauf ist das ideale Ganzkörpertraining im Winter und jetzt auch noch ‘cool.’ Höchste Zeit daher auch für uns, sich in die Loipe zu begeben. Und welch bessere Gelegenheit als dies während eines Testtages mit Dario und zwei seiner Biathlon-Kollegen zu tun?


«Auf die schmalen Latten», lautet das Motto an einem Bilderbuchtag im Bündnerland. Trotz warmer Temperaturen ist die 1,5 km lange Testloipe der Biathlon Arena Lenzerheide perfekt präpariert. Es ist still; lediglich drei Kids aus Lantsch/Lenz ziehen ihre Runden und blicken belustigt dem frohen Treiben zu, welches sich vor ihren Augen entfaltet.

Zumindest optisch fügen wir uns ins Bild – wie die Langlauf- und Biathlon Profis Dario Cologna, Lena Häcki und Ivan Joller, die unseren heutigen Testtag begleiten, sind wir mit Löffler-Outfits bekleidet und mit Fischers Speedmax Rennschuhen und Skiern ausgerüstet. Doch offenbart sich schon beim Anschnallen der Skier: Alles nur Rauch und Schall! Wir stehen heute zum allerersten Mal in der Loipe!

Kleine Anfänge

Während Dario und Ivan zwei Gruppen erfahrener Läufer in die Loipe führen, betreut Lena unsere ersten Schritte. Die 20-jährige Newcomerin zählt zu den grössten Schweizer Talenten im Biathlon und ist besonders für ihre Laufstärke bekannt. Mit uns geht es die Engelbergerin heute aber vorsichtig an. Behutsam führt sie uns in den Sport ein, den sie selbst erst vor fünf Jahren erlernt hat.

Mit Doppelstockschüben legen wir die ersten Meter fast spielend zurück und stellen uns der nächsten Herausforderung: Der Technik des Grätenschrittes, die in die Kategorie des ‘Skating Stils’ eingeordnet wird und das Aufwärtslaufen erleichtern soll. Ich folge Lenas Beispiel, stelle die Skier seitlich aus und rutsche sofort weg. «Du musst den Abstoss von den Innenkanten der Skier aus machen», erklärt die Biathletin und führt mich zu einem leichten Steilstück. Gemeinsam nehmen wir es in Angriff und sausen danach – Stock in Hand – den nächsten Abhang hinab. Noch ehe wir unten angekommen sind, verliere ich das Gleichgewicht und purzle lachend in den weichen Schnee.

«Du macht das super», meint Lena aufmunternd und hilft mir wieder auf die Beine. Tatsächlich ist die erste Runde im Handumdrehen absolviert und mit jedem Versuch wird das Laufen etwas leichter. Am Ende unseres ersten Langlauferlebnisses stehen wir auf weniger wackeligen Beinen und blicken Dario hochmotiviert zu, als er mit seiner Gruppe wieder Au die chmale Lae im Camp eintrifft. Vielleicht sind wir ja nächstes Jahr gut genug, um auch mit ihm zu laufen.

Auf den Spuren der Grossen

Mit der Schweizer Langlauflegende Dario ein paar Runden drehen zu dürfen, das war ein ganz beson-deres Erlebnis für den Sportcoach Selim Cevik. «Er ist ein grossartiger Botschafter für seinen Sport», bestätigt Selim. Er könne sich noch genau an den Tag in der Schweiz erinnern, als Darios Ski während der Olympischen Spiele 2014 brach und damit die Herzen Hunderttausender Zuschauer. «Alle haben mit Dario mitgefiebert. Er hat so viele Menschen für seine Sportart begeistert.»

Dass er selbst einmal mit Dario Langlaufen würde, das hätte er in seinen kühnsten Träumen nicht für möglich gehalten. «Ich dachte, dass Dario uns wohl gleich davon fahren würde, doch er war sehr geduldig. Er hat eine ruhige, bescheidene Art.»

Gut gezielt

Beim Schiessstand treffen wir uns alle wieder. Hier übernimmt der vielfache Schweizer Meister Ivan meine erste Trainingseinheit, zeigt mir, wie ich liegen muss, um das Gewehr richtig zu halten und zu zie-len. Ich befolge seine Instruktionen, versuche mich zu konzentrieren, ruhig zu atmen und treffe gleich beim ersten Versuch ins Schwarze! Ein herrliches Gefühl! «Anfängerglück!», lache ich und wenige Minuten später bewahrheitet sich meine Vorahnung, denn mit meinem steigenden Selbstbewusstsein nimmt auch meine Treffersicherheit ab.

«Unvorstellbar, bei einem Wettkampf mit einem Puls von 160 schiessen zu müssen», fügt Selim meinen Gedanken hinzu. «Jetzt merkt man erst, wie hart es ist, ein Leistungssportler zu sein. Es sieht so einladend aus, sich den ganzen Tag in der freien Natur bewegen zu dürfen. Doch diese Athleten müssen unglaublich hart trainieren und begehen sie auch nur einen Fehler; verlieren sie nur für eine Sekunde die Konzentration, dann ist auch schon alles vorbei. Wir sehen im Fernsehen nicht die harte Arbeit, die sie jeden Tag vollbringen.»

Am Ende des Tages stimmen wir alle überein: Wir werden sicherlich nicht zum letzten Mal auf der Langlaufloipe gewesen sein!

 

INTERVIEW MIT DARIO COLOGNA

In der Saison 2008/2009 schrieb Dario Cologna Schweizer Wintersportgeschichte. Als erster Schweizer überhaupt gewann der Bündner den Gesamtweltcup im Langlauf und trug damit seine Wahlsportart weit über die Kantonsgrenzen hinaus. Seither hat er so gut wie alles gewonnen, das es zu gewinnen gab – der 29-Jährige ist heute dreifacher Olympia-, Tour de Ski- und Weltcup-Gesamtsieger und konnte auch schon eine Weltmeisterschaft für sich entscheiden. Wir trafen Dario nach unserer ersten Langlaufstunde zum Interview:

Dario, heute war unser erstes Mal auf den Langlaufskiern. Kannst du dich erinnern, wie das erste Mal für dich war? 

Das ist schon lange her. Ich bin ja in den Bergen aufgewachsen und da ist es naheliegend, dass man Wintersport macht. Wie wahrscheinlich alle Schweizer habe ich mit Ski alpin begonnen. Ich bin dann durch meinen Vater – mit elf Jahren – zum ersten Mal zum Langlauf gekommen. Mir gefiel die Bewegung in der Natur und ich hatte auch ein Talent für Ausdauersport. So war ich schnell erfolgreich und bin beim Langlauf hängengeblieben.

Warum sollte man das Langlaufen probieren? 

Man kann Langlauf ruhig angehen. Man muss morgens nicht der Erste auf dem Berg sein. Man braucht weniger Zeit, um ein gutes Training zu absolvieren. Das hilft der Motivation – denn auch wenn man sich nach einer sportlichen Aktivität gut fühlt, ist es nicht immer leicht, sich zu motivieren. Für Langlauf muss man nicht den ganzen Tag aufwenden und hat danach immer noch Zeit für die Wellness oder etwas Gutes zu essen. Für Einsteiger ist es ja nicht notwendig, stundenlang Langlaufen zu gehen.

Welche Tipps hast du für Einsteiger? 

Anfänglich ist es sicher hilfreich, wenn man Unterricht nimmt. Wie überall, braucht man Übung. Ganz am Anfang hat man das Gefühl, dass es sehr streng ist; dass man rutscht und nicht vorwärts kommt. Das ist klar. Man muss zuerst das Gefühl bekommen und das geht mit ein paar Tipps leichter. Es macht mehr Spass, wenn die Technik stimmt. Ich selbst bin damals zum Skiclub-Training und habe zwei Mal pro Woche trainiert.

Wohin sollten Einsteiger gehen? 

Als Anfänger braucht man nicht so viel Platz, nicht so viele Kilometer. Es ist von Vorteil, wenn man dort beginnt, wo es relativ flach ist; man nicht mit zu viel ansteigen muss. Aber lernen kann man eigentlich überall, obwohl ich persönlich natürlich immer Davos vorschlagen würde. Auch das Engadin ist sehr schön – dort kann ich die Skimarathon- Strecke empfehlen, die auch flach ist.

Welche Geheimtipps hast du für Fortgeschrittene? 

In Davos gibt es zum Beispiel die Weltcup-Strecke, die sich gut eignet. Doch ist es auch bei Fortgeschrittenen so, dass man wirklich auf allen Loipen gut Langlaufen; überall die Herausforderung suchen kann – es ist auch auf flachen Strecken nicht einfach, wirklich schnell zu laufen. Auch das muss man lernen!

Was braucht es, um ein guter Langläufer zu werden? 

Viel Ausdauer und Durchhaltevermögen. Viel Training und viel Freude am Sport – Letzteres ist immer das Wichtigste! Langlauf ist eine trainingsintensive Sportart und somit ist es auch einfacher, wenn es Spass macht.

Welche Trends gibt es momentan im Langlaufsport? 

Das Material wird immer weiter entwickelt. Die Schuhe werden immer leichter und härter. Fischer verwendet zum Beispiel nun Carbon, um eine bessere Kraftübertragung zu ermöglichen. Diese Dinge sind wichtig. Insgesamt ist die ganze Sportart dynamischer geworden, als noch vor 20 Jahren. Die Athleten haben sich verändert. Sie sind kräftiger. Man macht mehr mit dem Oberkörper. Es gibt den Trend, auch ohne Steigwachs zu laufen.

Was wünscht du dir für deine sportliche Zukunft? 

Die Ziele gehen nie aus. Die Olympiade ist immer etwas Besonderes, doch konzentriere ich mich zunächst auf die neue Saison. Es ist immer schön, wenn man einen Titel, den man schon gewonnen hat, nochmals gewinnen kann.

 

SPOT LANGLAUFTIPPS: DESTINATIONEN

Heute ist das Langlaufen in der Schweiz längst zum Breitensport avanciert. In 267 Wintersportgebieten stehen mittlerweile insgesamt 5’500 Loipen-Kilometer zur Verfügung, die mittels Schweizer Langlaufpass für nur CHF 140 pro Saison erschlossen sind. Hier eine Auswahl des Spot Teams:

Traditionsreiche Loipen 

Die Schwyzer Region Einsiedeln-Ybrig- Rothenthurm gilt als Wiege des Schweizer Langlaufsports. Der «Rothenthurmer Volksskilauf» ist der älteste noch immer durchgeführte Langlaufwettbewerb des Landes; der Schwedentritt in Einsiedeln die erste Loipenorganisation und das Ybrig schon seit 43 Jahren ein sportliches Testgelände für ausländi-sche Spitzenläufer.

Unberührte Natur 

Das abgelegene Hochtal Vallée de Joux ist ein Geheimtipp im Jura. Fernab von hektischen Pisten finden Wintersportler hier noch eine ursprüngliche Landschaft mit weitläufigen Wäldern und sanften Hügeln. Im Zentrum liegt der Lac de Joux, an dessen Südufer eine der schönsten Strecken entlangführt. Insgesamt stehen klassischen Läufern 200 km und Skatern 150 km zur Verfügung.

Vielfalt für alle 

In Davos Klosters kann der Gast durch verschiedene romantische Seitentäler langlaufen, auf den anspruchsvollen und weltcuperprobten FIS-Rennloipen im Flüelatal oder – zu später Stunde – auf der Nachtloipe trainieren. Das Loipennetz umfasst über 100 km klassische und 46 km Skating Loipen, die mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden verfügbar sind.

Abends nahe Zürich 

Man muss keineswegs hoch oder weit hinaus, um auf die schmalen Latten zu steigen. Die Loipen am Zürcher Oberländer Hausberg Bachtel erreicht man vom Bahnhof Gibswil aus in wenigen Minuten. 22 km klass-ische und 15 km Skating Loipen sind vorhanden. Ein besonders Erlebnis ist es, nach Einbruch der Dunkelheit auf der beleuchteten Nachtloipe zu laufen.

Mit dem besten Freund 

Ein gemeinsamer Winterausflug der besonderen Art: Auf drei Spezialloipen in der historischen Skiregion Engadin St. Moritz darf der vierbeinige Begleiter ebenfalls mit! Jeweils 7,5 km stehen für klassische Läufer und Skater bereit. Zwei Hundeloipen führen von Madulain nach Zuoz und von Zuoz nach S-chanf. Eine dritte Strecke zieht eine Schleife in La Punt-Madulain.

 

SPOT LANGLAUFTIPPS: PRODUKTETEST

Fischer und Löffler zählen im Bereich Nordic Sport zu den Marktführern. Im Zuge unseres Langlauf-/Biathlontages in der Lenzerheide testeten wir einige ihrer Produkte:

Fischer Speedmax Ausrüstung

«Die Skier spiegeln die neuesten technischen Entwicklungen in der Skifertigung wider und liegen besonders flach im Schnee. Dadurch ermöglichen sie mehr Speed. Die Schuhe sind federleicht, sehr stabil und äus-serst direkt.» Cherez Tschopp

Löffler Rock Primaloft Mix

«Ich habe den Rock Primaloft Mix getestet und war begeistert vom Design und der Funktionalität. Der Rock war wärmeisolierend, atmungsaktiv und wasserabweisend – ideal für die-jenigen, die, wie ich, noch öfter im Schnee landen.» Carina Scheuringer

Fischer Speedmax Ski & Löffler Nordic Sport Collection

«Die Skier waren super. Ich hatte eine gute Balance und ein gutes Gefühl. Von Löffler testete ich das Top transtex® Wool Shirt und die Primaloft Jacke. Beide Teile waren leicht, warm und atmungsaktiv – für den Wettkampf und die Freizeit geeignet.» Selim Cevik

 






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