UNESCO-Welterbe Swiss Alps Jungfrau- Aletsch: Das Welterbe erleben


Wallis | Das UNESCO-Welterbe Swiss Alps Jungfrau- Aletsch zählt zu den wertvollsten und faszinierendsten Regionen der Schweiz. Im Zuge von Naturerlebnissen und eines Besuches im «World Nature Forum» erhält man lehrreiche Einblicke. 


Die Oberwalliser leben sozusagen an der Quelle. Der Aletschgletscher ist der grösste Wasserspeicher der Alpen. Würde man den Eisriesen abschmelzen, so könnten alle Menschen auf der Erde 4.5 Jahre täglich mit einem Liter Wasser versorgt werden. Doch das kostbare Gut ist ungleich verteilt. Das Oberwalliser Kulturland zählt zu den niederschlagsärmsten und trockensten Gegenden der Schweiz. 

Vor langer Zeit soll der Heiland den Menschen deswegen seine Hilfe angeboten haben. «Lasst nur getrost den Herrn walten», habe auch Petrus geraten. «Er meint es gut mit euch und wird das Wässern schon verstehen; denn er ist ja sozusagen selbst ein Walliser.» Doch die Menschen entgegneten: «Was, ein Walliser ist er? Aber wie will er dann das Wässern besser verstehen, als wir? Nein, nein, da dem so ist, wässern wir selbst!» 

Die Not machte die Menschen erfinderisch. Sie errichteten ausgeklügelte Wasserleitungen, die Suonen, um die Gletschermilch aus den Bächen zu den trockenen Dörfern, Wiesen, Feldern und Weinbergen zu leiten. Auf den langen Wegen mussten allerlei Hindernisse, wie steile Abgründe und Geröllhalden, überwunden werden. Dies machte sowohl die Konstruktion, als auch die Instandhaltung der Suonen zu einem lebensgefährlichen Unterfangen.

Heute sind einige der sagenhaften Wasserwege touristisch erschlossen. Beispielsweise wurde entlang der um 1940 stillgelegten «Riederi», eine der ältesten Suonen der Region, der Massaweg realisiert und alte Teile der Leitung zu Illustrationszwecken instandgesetzt. Ein Lehrweg vermittelt vor Ort spannende Hintergründe und erzählt unter anderem die Geschichte des Sanders, dessen Aufgabe es war, die Leitung von Sand zu befreien. Ihm ist diesen Sommer auf der Riederalp übrigens auch ein Freiluftspiel gewidmet. 

Die rund 8 Kilometer lange Wanderung von Ried- Mörel nach Blatten (oder umgekehrt) ist abenteuerlich. Hoch über der wilden Massaschlucht passiert der Weg steile Geröllhalden und senkrechte Felswände; ist jedoch an kritischen Passagen mit Eisenketten gut gesichert und umgeht eine Schlüsselstelle mit einem Tunnels. Entlang der Strecke sind die Suonen stete Begleiter – sei es anfangs als noch plätscherndes Rinnsal gesäumt von grünen Wiesen und schattigen Bäumen oder aber später als Zeitzeugen waghalsiger alter Konstruktionen an nunmehr ausgetrockneten Hängen. 

Mit gebührender Vorsicht ist die etwa 3-stündige Wanderung auch für Familien geeignet und bietet neben zahlreichen Picknickplätzen und den besagten Informationstafeln auch jede Menge anderer Schätze entlang des Weges: Schwarznasenschafe und Murmeltiere zum Beispiel, jedoch auch Felsbrocken zum Klettern, unterschiedlichste Blumen und Gewächse sowie jede Menge Fundgegenstände, wie Zapfen, Moos und Holzstücke für das nächste Bastelprojekt. 

Besonders empfehlenswert ist die Wanderung in Kombination mit einem Besuch des «World Nature Forums» in Naters, eines der modernsten Museen des Landes, welches das UNESCO Welterbe Swiss Alps Jungfrau-Aletsch spielerisch zugänglich macht. Hier thematisiert die interaktive Dauerausstellung unter anderem auch die Suonen und stellt die Frage, wie wohl in der Zukunft die Walliser Kulturlandschaften bewässert werden sollen, wenn es bald keine Gletscher mehr gibt – und welche Auswirkungen dies für uns alle haben könnte.

Ein Grossteil der zahlreichen Exponate im Forum sind mit interaktiven Erlebnisstationen und Augmented Reality ausgestattet, so zum Beispiel auch das 100 Jahre alte Simon-Simon-Relief gleich am Eingang, das sich mit dem Tablet digital erforschen lässt, oder die «Sandbox», die Besucher ihre eigene Landschaft aus Gebirgen, Tälern und Seen gestalten und mit virtuellem Regen bewässern lässt. 

Für interessante Denkanstösse sorgt auch ein innovatives Landschaftsspiel, an dem bis zu sechs Spieler via Multitouch-Screen das Welterbe-Gebiet gemäss ihren Vorstellungen verändern können, indem sie zehn Fragen beantworten, wie zum Beispiel: «Wanderst du lieber, oder fährst du lieber Auto?» Je nach Antwort werden dann etwa Seilbahnen oder Hotels mit Parkplätzen erbaut oder auch Schutzgebiete erstellt – dies verdeutlicht die gewollten, aber auch überraschenden Auswirkungen politischer und touristischer Entscheide. 

Zu den weiteren Highlights zählen die Märchengrotte, das Panorama-Kino mit seiner 100 m2 grossen gekrümmten Leinwand und der Originalwagen der Jungfraubahn von 1912, der die geplante aber nie realisierte Südanfahrt vom Aletschgebiet auf das Jungfraujoch als virtuelle Wirklichkeit darstellt. Um sich in der Ausstellung zurecht zu finden, erhält jeder Besucher einen Golfball für die Kugelbahnen und Installationen sowie einen virtuellen Rucksack in Form einer digitalen Karte, auf der er interessante Inhalte individuell vermerken kann. Damit lassen sich auch Zuhause auf myswissalps.ch gesammelte Themen und Informationen abrufen. 

An der Rezeption wertet eine spezielle Maschine die Inhalte aus und bietet den Besuchern je drei an ihre Interessen angepasste Vorschläge zu Wanderungen und Ausflugszielen in der Region, die mit dem Öffentlichen Verkehr erreicht werden können. Somit gibt es auch schon ein Programm für den nächsten Tag!

 

 






Kommentare